Bei all den offenen Fragen und Fakten, die gegen das Buch Mormon aus
archäologischer Sicht sprechen, ziehen sich Mitglieder gerne in eine fragliche Argumentation
zurück. Diese besagt, dass die archäologische Forschung in Amerika ja erst am Anfang
ihrer großen Entdeckungen stehen würde und erst ein Bruchteil von Artefakten,
Gegenständen und Kulturüberresten gefunden wurde. Diese Argumentation lässt
natürlich Freiraum für Hoffnung auf zukünftige Funde.
Bei all den aufgezeigten Problematiken bleibt jedoch die Frage, ob es jemals
noch solche Funde geben wird. Gegenüber den erweckten Hoffnungen steht nämlich eine
seit vielen Jahrzehnten aktiv betriebene Archäologie, die uns in vielen zur Verfügung
stehenden Büchern ein umfangreiches Bild über die alten Amerikaner liefert. Die
Mitglieder täten gut daran, einige dieser Bücher aufzuschlagen, um sich ein Bild
über diese Forschungen zu machen. Man muss kein Experte sein, um dann zu erkennen, wie weit
fortgeschritten die Erkenntnisse sind und wie sehr diese sich von den Ansichten des Buches Mormon
unterscheiden. Man wird dann auch feststellen, dass es bis auf die Mormonen niemanden mehr gibt,
der diese Ansichten teilt, denn sie entstammen aus einem längst überholten Wissenstand des
19. Jahrhunderts.
An dieser Stelle ist es angebracht einige Schlussbemerkungen zur Archäologie
und Anthropologie einer Kapazität auf diesem Gebiet zukommen zu lassen. Die Rede ist von
Michael D. Coe, Professor für Anthropologie an der Yale Universität ( Emeritus), der
nicht nur fachlich eine Größe auf diesem Gebiet darstellt, sondern sich auch mit der
Archäologie des Buches Mormon befasst hat. Hier einige Kommentare von ihm zu diesem Thema:
Gibt es Hinweise auf Das Buch Mormon?
Die nackte Tatsache ist, dass nichts, absolut nichts, aus den Ausgrabungen der Neuen Welt
einem leidenschaftslosen Beobachter einen Hinweis geben würde, dass das Buch Mormon, wie von
Joseph Smith behauptet, ein historisches Dokument sei, das von den frühen Bewohnern unserer
Hemisphäre handelt....
Lassen sie mich nun ganz unkategorisch feststellen, dass es, so weit ich weiß, keinen
professionellen Archäologen gibt, der kein Mormone ist, der irgendeine wissenschaftliche
Beweisgrundlage für die Wahrheit des Genannten sieht und ich möchte behaupten, dass es
einige Mormonen Archäologen gibt, die sich dieser Gruppe
anschließen. " 1
Die New World Archeological Foundation, eine Organisation die von der
Kirche gegründet wurde, um archäologische Beweise für das Buch Mormon zu finden,
wurde aufgegeben:
Ich bin weiterhin erstaunt, wie HLT-Archäologen in Mesoamerika arbeiten - darunter
einige sehr gute - in dem sie ihre Funde mit der offiziellen Kirchenhaltung über die
präkolumbianischen Menschen von Südmexiko in Einklang bringen. Die 'New World
Archeological Foundation' wurde letztendlich von der Kirche aufgegeben, was deren wachsendes
Bewusstsein widerspiegeln mag, dass trotz Jahrzehnten von eifrigen archäologischen
Forschungen in diesem Gebiet, absolut nichts relevantes in Zusammenhang mit dem Buch Mormon jemals
hervorgekommen ist ( unter buchstäblich Millionen von ausgegrabenen
Artifakten ). " 2
Was lief mit der Archäologie der Mormonen schief und wie sieht Coe die
Archäologen der Kirche?
Was ist darum mit der Archäologie der Mormonen schief gelaufen?....
Mormonenintellektuelle haben, so scheint es mir, drei Wege gewählt, um sich aus dem Dilemma
zu bringen. Die mehr Traditionellen, wie mein Freund John Sorenson, haben versucht ihre
strengen Ältesten mit der Begründung von der Buch Mormon Archäologie wegzulotsen,
dass nicht einmal die beste und fortgeschrittenste Forschung jemals in der Lage gewesen sei, auf
Grundlage reiner Archäologie, die historischen Details der Bibel, z.B. die Existenz Jesu
Christi, zu bestätigen....
Der zweite Ausweg ist den Liahona-Weg für das Problem (eine Gruppe von Intellektuellen in
der Kirche, die keine Grundlage für eine BOM Archäologie sehen und das Buch mehr als
einen geistigen Führer betrachten) zu wählen. Dies ist offensichtlich Greens Weg,
wie der vieler anderer Mormonen Archäologen, die ich kenne. Aber was macht man dann mit
dem Buch Mormon selbst? Sogar der nur gelegentliche Student wird erkennen, dass die HLT-Ethik
nur gering auf das Buch Mormon gestützt ist..., denn, seine Ethik ist sehr auf solche
Nach-Buch-Mormon-Dokumente gebaut, wie die Lehre und Bündnisse.
Und was fängt jemand mit Joseph Smith an, obwohl er ein großer Mann war, mit seiner
ungeheuerlichen Behauptung 'Reformiertes Ägyptisch' übersetzten zu können, mit
den lächerlichen 'Kinderhook-Platten', mit dem 'Buch Abraham', mit Zelph, dem 'weißen
Lamaniten' [ siehe dazu Buch Mormon - Archäologie - Geographie ] und all dem anderen Unsinn, der im 19. Jahrhundert entstanden ist, eine amerikanische
Subkultur, die intellektuell auf weißer Souveränität und Tendenz zur
Befürwortung der Expansionspolitik gegründet ist?
Der dritte Weg aus dem Dilemma ist der Abfall. Ich möchte nicht länger auf diesem
schmerzlichen Thema verweilen, sondern nur herausstellen, dass viele ungewöhnlich begabte
Gelehrte, die ich als Freunde ansehe, genau diesen Weg gewählt
haben. " 3
Abschließend gibt Michael Coe folgenden Rat:
Abschließend möchte ein Betrachter von außen, so wie ich, folgende
Vorschläge machen: Vergesst die bislang fruchtlose Suche nach den Jarediten, Nephiten,
Mulekiten und dem Land Zarahemla und Bountiful. Die Chance diese zu finden ist genauso groß,
wie die Entdeckung der Ruinen des Schachts des Abgrunds im Buch der Offenbarung. Es war Hugh
Nibley selbst, der Mormonenphilosoph und Historiker, der die Nutzlosigkeit solcher Unternehmungen
betont hat.
Führt die lobenswerten Ausgrabungen in Mexiko mit dem Bewusstsein fort, dass wenig oder
nichts in Zusammenhang mit dem Buch Mormon hervorkommen wird und beginnt Euch mit der
Archäologie der Überreste der Heiligen selbst zu
beschäftigen. " 4
Siehe auch: SPEKULATION
UND ARCHÄOLOGISCHE FORSCHUNG, von Michael D.Coe.
Dazu auch Michael Crawford ein Professor der Universität
von Kansas auf dem Gebiet der biologischen Anthropologie:
"Ich denke es gibt auch nicht einen minimalen Hinweise darauf, dass ein verlorener Stamm Israels seinen Weg in die Neue Welt gefunden hat. Es ist
eine große Geschichte, die durch nackte Tatsachen zerschlagen wurde. " 5
Simon Southerton, ein ehemaliger Bischof und Molekularbiologe, der aufgrund der genetischen
Erkenntnisse die Kirche verlassen hat, machte folgende Aussage:
"Die existierenden DNA Forschungen zeigen auf überwältigende
Art und Weise, dass die eingeborenen Amerikaner und Polynesier, Nachfahren
asiatischer Vorfahren sind. Ist es ehrlich, die Mitglieder der Kirche in
Hinblick auf die Berge von Beweisen für diese Fakten im Dunkeln zu
lassen, während man über die Mächtigkeit dieser Technologie
diskutiert, um genealogische Verwandtschaften offen zu legen? "6
Auch der Mormone Thomas W. Murphy, im Jahre
2002 Doktorand an der Universität von Washington, behandelte in
seiner Dissertation das Thema Genetik und Indianer. In seinen Studien
kam er zur selben Schlussfolgerung wie Southerton und andere: Die Indianer
sind keine Nachfahren der Israeliten. Für seine Publikation drohte
ihm die Gemeinschaft mit Exkommunikation. Er selbst sagte:
"Uns wurde gelehrt, die Wahrheit zu sagen, nicht
jedoch, wenn die Wahrheit der Kirchenlehre widerspricht. Ich ziehe es
vor, die Wahrheit zu sagen."7
So hart die Wahrheit für die Mitglieder der Kirche
klingen mag, so offensichtlich baut sie sich vor unseren Augen auf.
Ich kann an dieser Stelle nur empfehlen, die befangenen Sichtweisen
der Kirchenarchäologen einmal außer Acht zu lassen und sich
durch geeignete Literatur selbst ein Bild über die Neue Welt zu
machen. Nichts zeigt mehr die Realität auf, als diese Exkursion.
Zu dieser Einsicht sind nicht wenige Kirchengelehrte gelangt, wie die
Geschichte von Thomas
Stuart Ferguson zeigt.
Wer dies nicht tun will, der muss dem Rat von Mormonenapostel
Thomas S. Monson folgen, der da sagte:
"Denkt daran, dass Glaube und Zweifel nicht zur
selben Zeit in den Gedanken existieren können, denn das eine wird das
andere verdrängen. Sollte Zweifel an eurer Tür klopfen, dann sagt
zu diesen skeptischen, rebellischen Gedanken: Ich will bei meinem
Glauben bleiben und bei dem Glauben meines Volkes. Ich weiß, dass
es dort Glück und Zufriedenheit gibt und ich verbiete euch, agnostische,
zweifelnde Gedanken, das Haus meines Glaubens zu zerstören. Ich gebe
zu, dass ich den Werdegang der Schöpfung nicht verstehe aber ich akzeptiere
deren Tatsache. Ich gestehe ein, dass ich die Wunder der Bibel nicht erklären
kann und ich werde nicht versuchen, das zu tun aber ich akzeptiere das Wort
Gottes. Ich war nicht mit Joseph Smith aber ich glaube ihm. Mein Glaube
kam nicht durch Wissenschaft zu mir und ich werde der sogenannten Wissenschaft
nicht erlauben, ihn zu zerstören.'"8
Prinzipiell heißt das Ohren und Augen vor der
Wahrheit zu verschliessen. Mehr
dazu auf der Hauptseite.
Fußnoten
1 Michael D. Coe, Mormons and Archeology: An Outside View. Dialouge, 1973
2 Aus einem Brief von Michael D. Coe, vom 15.02.1996, an Craig Churchill
3 Michael D. Coe, Mormons and Archeology: An Outside View. Dialouge, 1973
4 Michael D. Coe, Mormons and Archeology: An Outside View. Dialouge, 1973
5 Zitiert
aus der
Salt Lake Tribune vom 30. November 2000
6 Zitiert
aus der
Salt Lake Tribune vom 30. November 2000
7 Zitiert
aus der
Washington Post, vom 29. November 2002
8 Februar
Ensign, 2001