Was an Fragen in den beiden oben angeführten Abschnitten noch offen blieb, sollte
mit den nun folgenden Erläuterungen erheblich klarer werden.
Zunächst sollten wir einige Fakten aus dem Buch Mormon betrachten:
1. Die Herkunft der gesamten Bevölkerung in der Neuen Welt stammt aus der
Alten Welt und kam gruppenweise über das Meer. Da man sicherlich
davon ausgehen kann, dass die Kultur der Menschen sich nicht sofort verändert
hat und laut dem Bericht, Religion und Brauchtum aus dem Alten
Testament, z.B. Tempelbau und Opfer, usw., für mehrere hundert Jahre
weiterbestanden hat, muss es offensichtliche Hinweise auf hebräisches
Brauchtum und Sprache geben, zumal die Existenz dieser Menschen in
die gleichen Zeitepochen diverser Ureinwohner Amerikas fällt, von denen
eigene Schriftsysteme und Kulturgüter gefunden wurden.
2. Die Sprache des Buches Mormon ist ägyptischen Ursprungs und war laut
Mormon 9:32-34 die universelle Sprache der Menschen auf beiden
Kontinenten. Wir müssen also überall auf den Kontinenten, auf Mauern und
Tempeln, Büchern und Platten, Schmuck und Malereien, Tausende von
Schriftzeichen des Reformierten Ägyptisch" finden.
3. Das Aufzeichnen auf Metallplatten scheint die gängige Berichtsform
gewesen zu sein. Laut Helaman 3:15 gab es viele Berichte und
Aufzeichnungen, die geführt und weitergereicht wurden. Brigham Young
erzählte einst einen Augenzeugenbericht von Oliver Cowdery im Journal of
Discourses 1, in dem Cowdery und Joseph Smith die Platten zum
Hügel Cumorah zurückbrachten und sich vor ihnen eine Höhle auftat, in der
ein großer Raum gewesen sei. In diesem Raum hätten sich mehrere Wagenladungen
voll Platten befunden, alle aufeinander gestapelt.
(Seltsamerweise zeigen sich diese Platten entweder nur durch Engel oder
Höhlen, die heute keiner mehr finden kann).
Demnach müssten wir dieses Aufzeichnungsverfahren überall in Amerika
finden, ähnlich den Funden von Schriftrollen in der Alten Welt.
Betrachten wir nun, was in der Fachliteratur dazu zu finden ist:
"Es ist besonders bemerkenswert, dass die frühen Bewohner
Amerikas ihre Kulturen fast ohne die Hilfe von Schriftsprachen entwickelten.
In Mesopotamien und Ägypten, den ältesten Kulturländern der Alten
Welt, gab es schon in sehr früher Zeit Schriftsprachen, die bald für
die Kommunikation und das Festhalten von Informationen unentbehrlich wurden.
Geschriebene Berichte waren das kollektive Gedächtnis dieser Länder,
deren Entwicklung ohne diese Hilfsmittel keine Fortschritte mehr gemacht haben
würden. In den frühen amerikanischen Kulturen gab es nichts dergleichen.
Die Inka und die älteren peruanischen Kulturvölker kannten gar keine Schrift und
waren ganz auf die Knotenschnüre, die 'quipu', angewiesen , mit denen man nur Zahlen und
Begriffsgruppen ausdrücken konnte. Wenn die Ingenieure der Inka beim Planen ihrer Bauten
und Bewässerungskanäle Modelle oder graphische Darstellungen benutzten, konnten sie die
einzelnen Teile nicht beschriften, und sie konnten auch nicht in Handbüchern nachsehen, wie
dick die Kabel einer Hängebrücke sein sollten. Alle diese Einzelheiten mussten durch
Erinnerung und Überlieferung weitergegeben werden. Der Inka-General, der Instruktionen vom
Hauptquartier zum Befehlshaber einer entfernten Armee weitergeben wollte, musste sich auf das
Gedächtnis der 'chasquis' verlassen, der schnellen Staffelläufer, die zu Hunderten als
Boten an den Hauptstraßen des Reiches stationiert waren.....
Die Azteken hatten es da etwas besser. Bei ihnen waren sozusagen die Keime einer Schrift
vorhanden, und zwar bestand sie aus Bildern, die mit einfachen Bedeutungszeichen verbunden waren.
Dieses System, das dem der Mixteken ähnelte, reichte aus, um einfache Informationen
festzuhalten.... Infolgedessen beschränkte sich die aztekische Literatur lediglich auf grob
ausgeschmückte Chroniken und Weissagungen, und die Azteken waren ähnlich wie die Inka
weitgehend auf das vergängliche und fehlbare Gedächtnis als Grundlage ihrer kulturellen
Tradition angewiesen.
Die Maya hatten ihre Schrift weiter entwickelt als alle anderen amerikanischen
Völker der Zeit. Sie bauten wahrscheinlich auf der Schrift auf, die von
den Olmeken oder den von den Olmeken zum Jaguarkult Bekehrten erfunden worden
war. Es gab sehr viele Zeichen, von denen nur etwa ein Viertel entziffert werden
konnte. Die Maya meißelten diese seltsamen Symbole in die Mauern ihrer
Tempel und Baudenkmäler ein, schnitten Sie in Jade oder Schildpatt, malten
sie auf ihre Keramik und schrieben damit ihre Bücher... Aber selbst nach
tausendjähriger Entwicklung wurde aus diesen Zeichen der Maya keine Schriftsprache
für den allgemeinen Gebrauch... Es sind nur drei von den Maya geschriebenen
Büchern erhalten. Die von Bildern begleiteten Zeichen stehen auf Blättern
aus der Rinde wilder Feigenbäume..." 2
Nochmals zu den Inka:
"Der Inkastaat setzte sich in seiner ganzen Größe
aus Völkern zusammen, die keine Schrift kannten und ihre Kultur deshalb
mündlich überlieferten." 3
Die Mixteken entwickelten eine Bilderschrift:
"Hervorstehendste kulturelle Errungenschaft der einwandernden
Mixteken ist die selbständige Entwicklung einer Bilderschrift, die sich
grundlegend von der Hieroglyphenschrift der Maya unterscheidet. Die mixtekischen
Faltbücher aus Hirschleder oder 'amatl' setzten nach unserer Zeitrechnung
im Jahr 692 n. Chr. ein." 4
Über die Baukunst der Maya lesen wir:
"Es gab nur Kult-, Kultur- und politische Zentren, deren
Hunderte heute noch unter den dichten Decken des Urwalds verborgen liegen. Die
ausgegrabenen aber zeigen uns, welch glänzende Baumeister die Maya waren
und wie hervorragend sie ihre Fassaden gestalten konnten. Da ist z.B. Copán
mit dem schönsten Ballspielplatz der Maya oder dem 'Tempel der Hieroglyphentreppe',
deren Stufen mit 2500 Schriftzeichen geschmückt sind." 5
Weiter erfahren wir in diesem Bericht, dass bereits 1970 die Stadt Tikal
freigelegt wurde, mit ca. 5000 Gebäuden, Tempeln und Tausenden von Grundrissen von
Gebäuden, sowie Tonscherben und anderer Funde.Weder auf den 2500 Hieroglyphen der
Hieroglyphentreppe, noch sonst wo an den Gebäuden von Tikal, sind irgendwelche Hinweise,
auf ägyptisches oder hebräisches Schriftgut zu finden. Dies trifft gleicherweise auf
andere Ausgrabungen zu.
Maya Hieroglyphen:
Bildquelle: "Weltatlas Alter Kulturen" Amerika
vor Kolumbus, S.119. Von Michael D. Coe, Christian Verlag
Vom National Museum of Natural History, am Smithsonian Institut,
stammt folgende Aussage, die speziell in Zusammenhang mit dem Buch Mormon gemacht wurde:
" Kein namhafter Ägyptologe oder anderer Spezialist
für die Archäologie der Alten Welt und kein Experte für Vorgeschichte
der Neuen Welt entdeckte oder bestätigte irgendeine Beziehung zwischen
archäologischen Überresten in Mexiko und archäologischen Überresten
in Ägypten. Berichte über Funde alter ägyptischer, hebräischer
und anderer Schriftstücke aus der Alten Welt in der Neuen Welt mit vorkolumbianischem
Zusammenhang erschienen immer wieder in Zeitungen, Magazinen und Sensationsbüchern.
Keine dieser Behauptungen stand zur Untersuchung durch namhafte Gelehrte zur
Verfügung. Keine Inschriften, die die Form von Schrift aus der Alten Welt
hat, wurden in irgendeinem Teil Amerikas als aus der Zeit vor 1492 stammend
nachgewiesen, außer einigen Schriftsteinen der Wikinger, die in Grönland
gefunden wurden." 6
Auf eine ähnliche Anfrage bei der National Geographic Society 1998, gab
diese zu verstehen:
"Das Buch Mormon ist sicherlich ein Werk mit großer,
spiritueller Kraft. Millionen haben seine Worte gelesen und verehrt... Im Allgemeinen
wird Smiths Erzählung jedoch nicht als wissenschaftliche Quelle für
die amerikanische Geschichte herangezogen. Archäologen und andere Gelehrte
haben schon seit langem die Vergangenheit dieser Hemisphäre untersucht
und bislang weiß die 'Society' von keinem Fund, der einen Beweis für
das Buch Mormon erbringen würde." 7
Welches archäologische Buch über das alte Amerika man auch aufschlagen
mag, die Berichte gleichen sich. Wir finden keine Hinweise auf das Reformierte
Ägyptische", welches die universelle Sprache der Menschen des Buches Mormon gewesen sein soll
und wir finden auch keine Hinweise auf andere ägyptische oder hebräische Schriftzeichen
( oder die Schriftzeichen der Anthonabschrift ), die zu tausenden vorhanden sein sollten.
Die Ureinwohner schrieben auf Mauern, Keramik, Schildpatt, Jade oder Leder. Funde von Gravierungen
auf Platten, die man nach den Aussagen des Buches Mormons und von Oliver Cowdery in Stapeln finden
sollte, blieben aus.
Von Seiten der Kirche, gibt es immer wieder Versuche, archäologische
Erkenntnisse zu den Schriftsystemen der Neuen Welt, mit dem Buch Mormon in Einklang zu bringen.
Diese Versuche scheinen jedoch nur wenig aufzuwiegen, im Vergleich zu der drückenden Last,
die die oben genannten Erkenntnisse der übrigen wissenschaftlichen Welt nahe bringen.
In einer Abhandlung von John L. Sorenson 8
beispielsweise wird aufgezeigt, dass die Mayaschrift in sechs Bereichen genauso genutzt wurde, wie
die ägyptische Schrift. Diese Forschungen stammen von Linda Van Blerkom, die damit
aufzeigen wollte, dass die Bildzeichen der Maya in ihrer Entwicklung nicht unter der der Alten
Welt liegen. Was der Autor als Ähnlichkeit zwischen der ägyptischen und der Mayaschrift
suggerieren möchte, ist jedoch nicht mehr als die Feststellung einer ähnlichen
Gebrauchsform. Daraus eine Herkunftsverbindung zu schaffen, wäre etwas zu viel verlangt.
Weiter führt Sorenson an, dass beide Sprachen religiösen Zwecken dienten. Eine der
interessantesten Behauptungen dieser Abhandlung, ist die Erwähnung des Fundes eines Siegels aus
der Olmekenzeit, der etliche Symbole enthält. Sorenson führt an, dass einige dieser
Symbole auch auf der Anthonabschrift zu sehen seien. Man verzeihe mir an dieser Stelle folgende
unsachliche Bemerkung: Wer die Symbole der Anthonabschrift vergleicht, wird diese auch in dem
Schreib- oder Rechenbuch eines Erstklässlers wieder finden. Zumindest jedoch einem Duzend
anderer Sprachen.
Sorenson weist darauf hin, dass man noch auf die Entdeckung weiterer Texte und
Schriftsysteme warten müsse und dass ja erst ein Bruchteil archäologischer Ausgrabungen
gemacht wurde.
Mit letzteren Aussagen geben sich die meisten Mitglieder zufrieden. Insgesamt sind
all diese Aussagen jedoch nur Hoffnungsträger, die auf der Basis gewisser Ähnlichkeiten
zustande kommen. Betrachtet man nämlich die Fülle der Ausgrabungen, Funde und
Erkenntnisse, so bleiben all diese Hoffnungsträger hinter den offensichtlichen Betrachtungen
zurück und bleiben einer Erklärung gegenüber den dargelegten Fakten schuldig.
Somit bleibt die Frage nach der Sprache des Buches Mormon einer der
drückendsten Beweise gegen dieses Buch ( Leider können zu dieser Diskussion nur
Auszüge angeführt werden Es empfiehlt sich aber wirklich, sich einmal mit Fachliteratur
auseinander zu setzen, um einen besseren Einblick in die Neue Welt zu erhalten ).
Fußnoten
1Journal of Discourses, Band 19, S.39 - 40, Brigham Young, 17. Juni 1877
2 Zeitalter der Menschheit,
Altes Amerika, S.125 - 126. TIME-LIFE International
3 Das Inkareich,
Entstehung und Untergang, Bechtermünz Verlag, S. 179
4 Welt Geschichte,
Von der Urzeit bis zur Gegenwart, S.370. Karl Müller Verlag.
5 Kurt Benesch, Auf
den Spuren großer Kulturen, S.137
6 Auf Anfrage des
Institutes für Religiöse Forschung, in einem Brief vom 12. Aug.
1998
7 Auf Anfrage des
Institutes für Religiöse Forschung, in einem Brief vom 12.
Aug. 1998
8 John L. Sorenson,
Eine Entdeckungsreise ins Buch Mormon